Am Abend wurde Oma Helga von unserem Clubvideografen Michael und seiner großen Tochter - süße 3 Jahre alt - für unseren Clubauftritt zum 8. Traditionsfest des Unstrut-Hainich-Kreises fertig gemacht. Da es später wurde, konnte das Mädchen nicht mehr an der anschließenden kleinen Runde mit Oma Helga über die Dörfer teilnehmen. Das war ihr Glück. Fünf Minuten vor halb neun abends verließ Michael mit Oma Helga auf der B 249 die Ortslage Eigenrieden in Richtung Diedorf. Ihm entgegen kam die Unfallgegnerin, die an dieser Stelle als Linksabbiegerin nach Struth fahren wollte, die Vorfahrt nicht gewährte und in der Folge mit Oma Helga kollidierte.
Oma Helga war vom ADAC vom Unfallort zum Gasometerweg in die Niederlassung des Automobilclubs in Mühlhausen gebracht worden und stand über das folgende Wochenende wenige Meter neben dem Festplatz, auf dem der Trabantclub Mühlhausen jährlich über die Pfingstfeiertage seine Trabant- und IFA - Treffen ausrichtet. Um zwei Uhr am Nachmittag traf der KFZ - Sachverständige ein und bescheinigte eine schwere Beschädigung an einem sonst tadellosen Fahrzeug - einem wirtschaftlichen Totalschaden sicher nicht weit entfernt.
So schlecht kann ein! Bier am Abend gar nicht sein. Da Michael langsam dämmert, dass die Entschädigung der gegnerischen Versicherung geringer als die anfallenden Kosten für die Instandsetzung ausfallen könnte, kommt ihm der Gedanke, den Trabantclub Mühlhausen e.V. um Hilfe und Unterstützung zu bitten.
Am Abend kommen die ersten konkreten Hilfsangebote für Oma Helga: ´Buntspecht´ vom Trabantclub stellt eine A-Säule bereit, Toni einen Schweller und eine verwertbare B-Säule, Kitty telefoniert eine kleine Ewigkeit und handelt dabei einen „Freundschaftspreis“ für anfallende Schweißarbeiten in einem dem Trabantclub Mühlhausen überaus wohlgesonnenen Autohaus in Gera aus.
Im Trabantforum gibt es einige Leser die Oma Helga kennen. Höchste Zeit, dass die ausführlich informiert und auf dem Laufenden gehalten werden. Das geht auch mit einem über 16 Jahre alten Amiga 4000!!!
Pünktlich wie vereinbart um fünf vor sechs ist es soweit, Oma Helga wird vom ADAC nach hause überführt. Abgesehen von Michael´s kleiner Tochter sind alle Kinder des Hauses dabei und bei deren Anblick ... geschockt.
Am Abend erfolgt die Demontage der Beplankung und der Tür um eine genauere Bestandsaufnahme vornehmen zu können. Die erkennbaren Beschädigungen sind im Einzelnen:
Am linken Vorderrad fehlen sämtliche Radmutterkappen und die Abdeckung der Radnabe. Dazu ist am Felgenring teilweise die Lackierung abgerieben, eine Schlagwirkung auf dieses Rad muss angenommen werden. Konstruktionsbedingt können hier von der Seite her eingewirkte Kräfte nur über den Querlenker auf den Hilfsrahmen und über die Antriebswelle auf das Getriebe übertragen worden sein. Letzteres wäre gar nicht gut - ist konkret aber noch nicht abgeklärt.
Die Radschale ist zur Hälfte, die A-Säule vollständig zerstört. |
Der linke Längsträger (Schweller) ist noch an seinem Platz, allerdings an der Außenseite verformt. |
Ob der Schweller gewechselt werden muss, soll vorab der TÜV klären, die A-Säule ist, ebenso wie die komplette Beplankung der linken Seite und die Tür nur noch Schrott. Die B-Säule sieht nicht besser aus, ebenso ist der Einstieg einfach nur hin. Am hinteren Radhaus reicht der Wechsel einer Viertelschale.
Ein Westblech hat ganze Arbeit geleistet. |
Der Lauf der Dachkante ist im Bereich des oberen Anschlusses der B-Säule eingedrückt. |
Der Armaturenträger ist links ein wenig eingedellt. Michael meint, dass dieser Makel zukünftig bleiben soll. Die Stirnwand scheint unbeschädigt. Hier und da schimmert ein Funken Hoffnung. Überraschend ist der Rost am Blech zur unteren Befestigung des hinteren Kotflügels. Zwischen der B-Säule und dem Radhaus sind ca. 15 cm Blech, die in ihrem Zustand nicht dem entsprechen, was sämtliche andere - nun offen liegende - Bleche zu Angesicht bringen.
Um zehn Uhr sitzt Michael bei herbstlichem Sonnenschein mit der Mitarbeiterin der Thüringer Allgemeinen im Garten und erzählt ihr eine gute Stunde lang von Oma Helga. Die gemeinsamen Überlegungen gehen dahin, dass von der Geschichte dieses Trabant und dessen erneuten Wiederaufbaus mit Hilfe des Trabantclubs in einer Serie in der Zeitung berichtet wird. Vielleicht könnte diese Serie dem Club dabei helfen, so manche Unterstützung bei den Bemühungen, Oma Helga zurück ins Leben zu schicken, zu erhalten.
Mit den Papieren und den Kennzeichen unter dem Arm geht es zur Mittagszeit in ein Büro der Zulassungsstelle. Oma Helga wird nun amtlich außer Betrieb gesetzt. Praktisch war das ja schon vor fünf Tagen von einer unaufmerksamen Fahrerin in einem Westblech besorgt worden! Um bei der Schadensregulierung nichts falsch zu machen, wird ein Anwalt eingeschaltet.
Ein erstes Schreiben der gegnerischen „Zurich“ Versicherung trifft ein. Die Formulare zum Unfall beinhalten tatsächlich Fragen zur Anzahl und dem Alter der Kinder, dem Gewicht und der Größe des Geschädigten - es verwundert, dass nicht dessen sexuelle Orientierung erfragt wird.

Der KFZ - Sachverständige meldet sich telefonisch und schildert seine Eindrücke von der Ermittlung des Restwertes von Oma Helga. Beeindruckt hat ihn die Spanne, die von einigen hundert bis zu knapp zweitausend Euro für vergleichbare Fahrzeuge reicht. Seinem Gedanken Oma Helga zu verschrotten, wird mit dem Hinweis auf die bereits zugesicherten Hilfen und der Überzeugung, dass die Beschädigungen grundsätzlich reparabel sind, begegnet. Er bleibt skeptisch und empfiehlt, anhand von Fotos einen Kostenvoranschlag einzuholen.
Am Abend verkündet ein Schreiben des Haftpflichtversicherers von Oma Helga eine Gutschrift von gut 35,- Euro. Die ersten Rubel - Euro - rollen, es geht aufwärts.
Mit einigen Bildern von Oma Helga´s Beschädigungen im Format 13 x 18 cm wird Michael bei der Firma Ostermann in Mühlhausen vorstellig. Das erste Angebot ist nur eine grobe Schätzung und liegt bei etwa 1700 bis in etwa 1800,- € für die Schweißarbeiten. Der Mitarbeiter erkennt auf den Bildern einen wirtschaftlichen Totalschaden, ist aber dennoch sehr interessiert, wie es zu diesen Schäden gekommen ist. Nach einigen Minuten weiß er, dass die Instandsetzung ein Projekt des Trabantclubs ist und kennt ein wenig die Geschichte von Oma Helga. Er bittet, Michael, ihm die Bilder eine zeitlang zu überlassen und versichert, sich in etwa zwei Wochen mit einem neuen Angebot zu melden. Oma Helga steht noch genauso demoliert in der Garage, wie seit der Demontage der Tür und der Beplankung. Aber die Aussichten auf eine Rückkehr ins Leben scheinen im Moment besser denn je.
Beim Stöbern im OMoMa wird ein neuer vorderer Kotflügel links in der Nähe von Magdeburg gefunden. Man verabredet sich für den nächsten Dienstag.
Zusammen mit den Kindern geht es morgens statt in den Kindergarten mit dem Westblech auf „große Fahrt“ nach Magdeburg. Bis zum Mittagessen in einer imperialistischen Frittenbude ist der Kotflügel für 20,- € erworben.
Pünktlich um 9 Uhr steht der Fotograf der Thüringer Allgemeinen vor der Tür und gibt sein Bestes. Es ist nicht einfach, Oma Helga in der engen Garage vorteilhaft in Szene zu setzen.
Oma Helga schafft es im Regionalteil der Thüringer Allgemeine auf die Titelseite. Noch am selben Tag outet sich ein neuer Kollege von Michael als Trabantfahrer aus dem Eichsfeld und bietet seine Hilfe beim Beschaffen von Ersatzteilen an.
Bis auf die B-Säule sind dank der Mühen von Buntspecht und Schneemann vom Trabantclub Mühlhausen alle Ersatzteile beisammen. Zudem erstattet das Finanzamt 7,- € zuviel gezahlte KFZ-Steuer von Oma Helga. Es sieht gut aus!